Mann über Bord #8: Wann Männer weinen
Shownotes
Wann hast du das letzte Mal geweint?
Markus Coenen und Torsten Nassall sprechen über eine Frage, der viele Männer ausweichen: nicht, weil sie keine Trauer kennen, sondern weil oft kein sicherer Raum dafür da war.
Es geht um Tränen, Scham, Beschämung, Männerkreise und die Frage, warum echte Trauer nicht sofort getröstet, repariert oder erklärt werden muss.
In dieser Folge:
- warum Tränen bei Männern oft sofort entschärft werden
- weshalb Raum wichtiger sein kann als Trost
- was Scham mit unterdrückter Trauer zu tun hat
- warum Verletzlichkeit nicht automatisch Hilflosigkeit bedeutet
- wie Männer Verantwortung übernehmen können, wenn alte Wunden sichtbar werden
Mann über Bord ist ein Podcast mit Markus Coenen und Torsten Nassall über Männer, Rollen, Beziehungen, Familie und die kleinen Momente, in denen jemand innerlich über Bord geht.
Markus Coenen: https://markus-coenen.de/
Torsten Nassall: https://torsten-nassall.de/
Mit anderen Worten ist ein Podcast über Worte, Menschen und das Leben. Markus Coenen spricht mit Marion Haupt, Carsten Banse und Torsten Nassall. Je nach Reihe gelten andere Spielregeln. Die Haltung bleibt: neugierig fragen, genau zuhören und Gedanken auch einmal stehen lassen.
Drei Reihen, ein gemeinsamer Podcast. Dialoge über Gedanken und Erkenntnisse. Und alles das, was dazwischen liegt.
Transkript anzeigen
00:00:02: Mann über Bord.
00:00:03: Eine Frage, eine Viertelstunde etwa heute bei mir mit an Deck Thorsten Assal, Männercoach aus Berlin.
00:00:09: Er ist in seiner Begleitung mit Männern In den Kellern, in den Ecken An der Stelle Wo die Leute nicht so gerne hingucken und begleitet sie dort.
00:00:18: Ich bin Markus Köhlen und stelle hier die Fragen Und Thorsten hört die Frage genau wie du Ist gleich zum ersten Mal.
00:00:24: Es könnte sein, besonders heute, dass das Wasser vielleicht ein bisschen tiefer und kälter und unangenehmer ist.
00:00:30: Und trotzdem schaut auch wie lange du mit uns mitschwimmen möchtest und leinlos bis gleich!
00:00:44: So es gibt eine wirklich unangeniere Frage für Männer.
00:00:49: Es gibt Fragen die kann man Männern problemlos stellen nach dem Auto, nach dem Job sogar nach dem Gehalt wenn man sich einige Maßen gut kennt oder wie das mit den Frauen und den Kindern oder der Frau und dem Kind so ist, wenn man ein bisschen nah miteinander ist.
00:01:04: Aber eine Frage auf die die meisten Männer mit einem Witz antworten oder mit keine Ahnung ohne dass sie drüber nachgedacht haben.
00:01:14: und ja Thorsten ich werde dir genau schön, dass du da bis jetzt diese Frage stellen wann hast du das letzte mal geweint?
00:01:23: Als ich das letzte Kapitel fürs Buch abgeschickt habe.
00:01:28: Das war im Sonntag.
00:01:30: Danke warum glaubst Du?
00:01:31: Warum weißt Du was es in Deiner Begleitung.
00:01:34: Ist die Frage für Männer so schwierig?
00:01:44: Meine Perspektive dazu ist, weil sie oft nicht die Erfahrung gemacht haben dass die Tränen wenn sie denn dann da sind und kommen willkommen sind.
00:01:55: Dass da keiner mit einem Taschentuch kommt das da keiner trösten will dass da keiner was reparieren will, sondern dass jemand einfach da ist und den Raum dafür hält.
00:02:05: Und es da sein lässt und nicht nach der Geschichte sucht von oh warum weint sie jetzt?
00:02:10: Was ist da jetzt passiert?
00:02:11: An welche Geschichte denkst du?
00:02:12: Sondern erstmal den Raum aufzumachen für die Tränen, die jetzt da sind.
00:02:22: In meinem Verständnis geht's oft darum erst mal diesen Raum auf zu machen, den Raum zu halten das das fast gerade an Träne kommen möchte Ausdruck findet.
00:02:32: Das würde ja bedeuten, dass gar nicht dieses
00:02:35: oft
00:02:36: Kolportierte ein Indianer weit nicht und so eine Scheiße das Problem ist.
00:02:41: Sondern dass es das angenommen wird, dass kein Raum dafür da ist.
00:02:48: Habe ich's richtig verstanden?
00:02:50: Also ich glaube meine Theorie oder meine Sichtweise ist dazu, dass dieses Indiana-Herz kennt keinen Schmerz.
00:02:56: Stellt euch nicht so an Jungs weint sich, dass ihr halt einfach irgendwann zu einem Selbsttalk wird.
00:03:01: Meine Gefühle schrecklich, meine Trend zu zeigen ist gefährlich weil ich werde gekränkt, ich werde beschämt.
00:03:06: Ich werde mich ernst genommen und bevor ich das wieder erlebe also reproduziere kattle ich das einfach ab halte es einfach zurück habe irgendwie ganz viele Strategien gefunden dieses Gefühl von Trauer und Tränen zu unterdrücken weil ich keine Erfahrung gemacht habe wie sich gut anfühlt sicher anfühlen wenn ich einen Tränern habe und Tränen fließen lassen kann.
00:03:37: Was bedeutet das für den Aus... Ich hoffe, ich gehe nicht zu weit weg.
00:03:43: Für den Ausdruck von Toxichermännlichkeit hinsichtlich ... Ein Mann muss weinen!
00:03:51: Und dann aber und das ist das was ich oft beobachte Hier schau doch mal macht auch mal dass hier hast ein Taschentuch heute auch auf damit hier hassen um Armung Dann können wir das alles heilen.
00:04:03: Das ist aber gar nicht das bei männlichen Tränen wichtig ist, sondern das da sein lassen.
00:04:08: Ist das das Wichtige?
00:04:10: Aus meiner Perspektive.
00:04:12: Ja!
00:04:13: Also dass da seinlassen und erstmal den Raum aufmachen und die Erlaubnis geben um dann von meinem Verständnis irgendwann zu diesem Punkt zu kommen.
00:04:21: von hier sind tränen.
00:04:25: erst mal brauche ich die Spiegelung.
00:04:27: meine Träne sind okay sind erlaubt sie dürfen sein und irgendwann kann ich vom meinem verständnis dahin kommen von ihr sind tränen Ich kann die laufen lassen und es ist mir relativ egal, ob du das jetzt gut findest oder schlecht findest.
00:04:42: Ob du das wegtrösten möchtest oder mit einer Geschichte bekleben möchtes oder so.
00:04:47: Und gleichzeitig zu diesem Thema toxische Männlichkeit... Das ist halt echt ein dünnes Eis!
00:04:55: Wie kann man da seinen eigenen guten Umgang finden damit?
00:05:05: Mit meinen Tränen meiner Trauer.
00:05:12: Dünnes Eis, ja?
00:05:14: Weil als du es gerade gesagt hast nur meine Perspektive so wie du es eben gesagt hast ein Mann der ständig wegen jedem Kram heult im Sinne gar nicht von Weinen sondern sich beschwert über jeden über jeden Fortsquase der einem quer sitzt das mag da draußen als toxische Männlichkeit aussehen aber ich habe irgendwie das Gefühl dass ist schon auch einen Anteil eines eines Mannes ist, der bei sich ankommt das eine oder andere nehmen zu können.
00:05:45: Ich meine nicht aushalten sondern nehmen und dass für sich irgendwie integrieren und verarbeiten zu können.
00:05:51: Und das bedeutet auch, dass ich einen Raum für Tränen brauche ja?
00:05:57: Das aber nicht bedeutet, dass die ganze Zeit heulen in der Gegend rumlaufen sollte, oder?
00:06:01: In meiner Perspektive Wie sie steine
00:06:04: Was auch immer das bedeutete ganz halt den Heulentränerum zu laufen.
00:06:08: Ich glaube es gibt auch Momente, in denen es wichtig ist dass ich mir meiner Trauer irgendwie bewusst bin, also das sich die wahrnehmen kann und trotzdem auch die Kompetenz habe.
00:06:18: Ich stelle es für diesen Moment an die Seite so nicht weil ich das abspalte sondern weil ich weiß hier geht es in diesem moment nicht um mich wenn mein Kind stürzt oder irgendeine Verletzung hat und ich emotional angefasst bin.
00:06:35: traurig war es jetzt was weiß ich eine offene fraktur ist dann brauche ich von meinem Verständnis die Kompetenzzusahlung.
00:06:42: Ich bin angefasst, es ist traurig weil ich weiß vielleicht kannst du nie wieder Fußball spielen als Beispiel.
00:06:47: und trotzdem stelle ich das was jetzt da ist in den Raum, meinen inneren Raum wie auch immer man das bezeichnen möchte und bin für mein Kind da und sind für die Erstversorgung verantwortlich weil ich in der Lage bin das voneinander zu trennen.
00:07:02: hier ist Präsenz gefordert Verantwortlichkeit Klarheit Sicherheit auch Souveränität Und das stelle ich gerade für diesen Moment in den Raum und es wird kommen, wenn der Moment dafür da ist.
00:07:15: Weil es gebe keine Sicherheit für meinen Kind was jetzt bei einem offenen Fraktur darliegt.
00:07:19: Wenn ich denke oh Gott, dass ich mit meiner eigenen Emotionalität meine eigene Traurigkeit verfangen bin.
00:07:30: Was ich als Nächstes sage, ist nichts, was ich glaube oder was ich denke oder was sich als konjunktiv überlegen könnte sondern Ich weiß, dass es so ist und zwar das in deiner Begleitung Unter anderem ja auch du mit Gruppen von Männern.
00:07:44: Ich habe bewusst nicht Männergruppe gesagt, mit einer Zusammenkunft ... Mit einem Kreis von Männernarbeit ist.
00:07:52: Von dem ich weiß dass da Raum für Tränen und Trauer ist.
00:07:57: Beschreib doch mal was passiert in so einem geschützten Raum?
00:08:02: Wo wir alle mit unseren Wollsoppen sitzen und den Tee in der Hand!
00:08:07: Das ist doch das Bild was da draußen rumrennt.
00:08:10: aber ... viel wichtiger in dem Zusammenhang.
00:08:12: Warum?
00:08:13: Was passiert mit einem Mann, der das erste Mal erfährt?
00:08:17: Wow!
00:08:18: Das kann ja hier sein... Ja, kann dich abfacken, ja, kann scheiße sein aber das darf hier sein.
00:08:24: Was ist da anders?
00:08:26: Kann die Gesellschaft daraus lernen?
00:08:27: und ich weiß schon wieder viele Fragen auf einmal.
00:08:30: was passiert in diesem Mann wenn er merkt wow Hier kann es sein in so nem Raum?
00:08:35: Also mir fällt ein Exemplar, ich will mir ein ganz bewusstes Beispiel dazu ein.
00:08:41: Das Thema des Abends war Scham und aus meiner Sicht hat der Mann an dieser Stelle durch den Ausdruck seiner Tränen, dass die Erlaubnis von mir und dem Kreis für diese Träne die andere Seite der Medaille entdecken können.
00:09:02: Wo habe ich zum Beispiel einerseits Beschämung erlebt aufgrund meiner Leserechtschreibschwäche?
00:09:09: Und das ein Stück weit betrauern.
00:09:11: Was hat mich das in meinem Leben gekostet?
00:09:13: und auch zu sehen von, ach ja guck mal!
00:09:16: Das ist meine Lösung die ich im Laufe des Lebens gefunden habe.
00:09:19: Und die andere Seite war wo habe ich an dieser Stelle aus dieser Wunde der Beschämung Andere beschämt?
00:09:29: So...und das zu verantworten.
00:09:32: Von, achja stimmt.
00:09:34: Danke dass ihr mir den Ausdruck, den Raum gegeben habt für meine Tränen.
00:09:40: Da bin ich so noch nie hingekommen in diesem Rahmen.
00:09:43: Auch spannenderweise, dass er nicht ganz tief abgedriftet ist.
00:09:47: Sondern meine Lösung ist Papier, Bleisschift, Radirgummi – das war meine Lösung!
00:09:54: Damit habe ich mich zurechtgefunden und gleichzeitig gab es Momente im Leben wo ich aus dieser erlebten Beschämung, die ich als Kind deswegen erfahren habe andere beschämt habe und gemerkt habe, krass das ist eigentlich nicht der Mann, der ich sein möchte.
00:10:10: Und dadurch dass keiner ihm beklugschissen hat von ja aber das sehr schlechtes ja schlimm ist ja Machtmissbrauch sondern von Ja krass.
00:10:18: jetzt sehe ich das erste Mal, dass sich das so gemacht habe.
00:10:22: ein paar Wochen später haben wir es ja nochmal angefasst das Thema und hey danke für die Änderung.
00:10:26: da gab's noch einen mann mit dem ich Kontakt gehen wollte.
00:10:29: Ich glaube dann kann ich einmal meine Wunde berühren, die ich erfahren habe Und ich kann aber auch die Verantwortung für die Wunde übernehmen, die ich an anderen Stellen, in anderen Situationen hinterlassen habe und da eine so eine Art Wiedergutmachow leisten oder eine Verantwortlichkeit.
00:10:47: Oder vielleicht ein Vorbild sein von Hey!
00:10:51: Ich weiß vielleicht erinnerst du dich nicht mehr?
00:10:52: Aber ich hab vor ein paar Jahren in einer Situation das und das gemacht und ich hab heute irgendwie gemerkt So... Das ist mir unangenehm.
00:11:00: Ich weiß nicht wie das für Dich war.
00:11:01: Ich merke heute, dass du mir leidest, das damals so gemacht habe und es nicht der Mann, der ich sein will.
00:11:08: Mir ist gerade, als ihr da geschriegt, was sehr krasses bewusst geworden war, was mir vorher gar nicht so klar war.
00:11:15: Weil du nämlich sagst an dieser Stelle sind dem Mann die Tränen gekommen?
00:11:20: Und ich erinnere mich – ich denke wir sprechen über die Gleiche – ich hatte die Ehre dabei zu sein.
00:11:28: Da war nichts von ... Kommen, lass gehen oder so über den Rücken tätscheln Richtung von jetzt weinen doch mal.
00:11:35: Sondern das kommt dann einfach wenn so ein Raum da ist.
00:11:38: Das war ein großer Unterschied.
00:11:39: wie ich ihn manchmal sonst erlebe wo man quasi einen Szenario aufbaut damit der Mann jetzt mal endlich weinen kann.
00:11:48: Das fand ich sehr wohltun.
00:11:49: dass es ja war das eine Übersprungshandlung weiß ich jetzt gar nicht.
00:11:53: Es war einfach an der Zeit irgendwie also in meiner Wand.
00:11:56: es war einfach jetzt dran ohne dass irgendjemand gesagt hat Du darfst ruhig weinen.
00:12:00: Nee, hat keiner gesagt!
00:12:01: Das war einfach dran.
00:12:03: Also meine Sichtweise dazu ist wenn die Seele reif ist dazu dass diese Wunde berührt werden kann dann geht das von ganz alleine.
00:12:12: da muss ich nicht darum graben.
00:12:14: natürlich braucht es manchmal diese indizatorischen oder theatralen aufbauten aber für bestimmte Sachen empfinde ich das so eine Art als Vorbereitung und wenn es dann soweit kann ich es ganz einfach nehmen und kann das auch integrieren.
00:12:29: Und rutsche nicht so in diesen tiefen Schmerz, Trauer- und Anklage-und-Food ab, sondern wow!
00:12:37: Das war spannender weil ja auch dass der Mann dann sagen konnte aber meine Lösung für meine Leserechtschreibschwäche ist das und das fertig.
00:12:44: Nicht also meine Großmutter, meinen Opa, mein Hund, meine Katze, meine Lehre haben mich beschehen bla bla bla, sondern... ...das ist die Lösung Punkt.
00:12:54: Das ist das Kapitel Wo Lösung drüber steht, nicht Dramadrama-Drama.
00:12:58: Sondern ich glaube das war ein wichtiger Aspekt wo für viele einfach so war wow okay!
00:13:06: Nicht Dramatrama Das war mein Überbord.
00:13:10: unsere Zeit ist schon wiederum.
00:13:12: wenn dich diese Frage heute mit dem Wein ein bisschen erwicht hat dann nimm sie doch mit an Land und lass die da mal ein bisschen wirken und zack sie mal spazieren und vielleicht magst du uns in den Kommentaren ein bisschen was dazu sagen wie du mit Trauer trenn und dem ganzen Kram umgehst.
00:13:27: Nächste Folge kommt dann die nächste Frage.
00:13:30: Wir legen dann wieder ab und wenn du magst, springt auch wieder mit rein und sei ein bisschen an Bord.
00:13:35: Bis dahin gute Fahrt!
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