Schall und Rauch #18: Brimborium, koppernäckisch, Bärendienst und behüten

Shownotes

Was haben unnötiges Brimborium, ein koppernäckischer Mensch, ein gut gemeinter Bärendienst und behutsames Handeln miteinander zu tun?

Marion Haupt und Markus Coenen gehen vier Wörtern nach, die vertraut klingen und doch überraschende Geschichten mitbringen. Dabei zeigt sich, wie viel Theater in einem Brimborium stecken kann, warum koppernäckisch mehr als bloße Sturheit ist und weshalb ein Dienst nicht immer hilft.

In dieser Folge:

  • woher Brimborium kommt und warum es nach überflüssigem Aufwand klingt
  • was koppernäckisch über Sturheit und Eigensinn erzählt
  • wie der Bärendienst zu seiner heutigen Bedeutung kam
  • was behüten und behutsam miteinander verbindet

00:00 Begrüßung und Rückkehr aus der Pause
00:36 Brimborium
04:18 koppernäckisch
06:54 Bärendienst
10:13 behüten und behutsam
13:20 Abschluss

In Schall und Rauch gehen Marion Haupt und Markus Coenen den Geschichten hinter unseren Wörtern nach. Woher kommen sie, wie haben sie sich verändert und was erzählen sie heute noch über uns?

Marion Haupt: https://marionhaupt.com/

Markus Coenen: https://markus-coenen.de/

Mit anderen Worten ist ein Podcast über Worte, Menschen und das Leben. Markus Coenen spricht mit Marion Haupt, Carsten Banse und Torsten Nassall. Je nach Reihe gelten andere Spielregeln. Die Haltung bleibt: neugierig fragen, genau zuhören und Gedanken auch einmal stehen lassen.

Drei Reihen, ein gemeinsamer Podcast. Dialoge über Gedanken und Erkenntnisse. Und alles das, was dazwischen liegt.

Transkript anzeigen

00:00:02: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Episode von Nur Schall und Rauch.

00:00:06: Wir kommen aus der Winterpause, schräg-strich Frühlings-, schrägs-sommerpause.

00:00:12: Marianne, schön, dass du wieder da bist.

00:00:13: Schön, dass mir die Zeit gegeben hast für die Pause.

00:00:17: Ah!

00:00:18: Wie geht's dir?

00:00:18: Und wer fängt mit den Worten an?

00:00:21: Mir geht es gut.

00:00:21: Ich hatte jetzt fast ein bisschen Entzugserscheinungen.

00:00:25: Mit der guten Nachricht, das wir weitermachen hat sich das quasi in Luft aufgelöst.

00:00:35: Fangen du mal an.

00:00:36: Ja, dann lass uns keinen Brimborium machen!

00:00:40: Das hatt ich mir auch schon mal aufgeschrieben aber noch nicht nachgeschaut.

00:00:47: Brimborgum klingt nach einem so lautmalerischen Wort.

00:00:51: also es kommt irgendwie so nach Zirkus... Also ich mache mehr.

00:01:01: Wir hatten das schon mal bei einem ähnlichen Wort.

00:01:03: Ich komme nur gerade nicht drauf, bei welchem.

00:01:06: Also ich mache mehr daraus als eigentlich ist.

00:01:11: Fölefans!

00:01:12: Genau.

00:01:16: Primaeborium ist noch ein bisschen mehr Brille dahinter also Brim und Brum und Borium.

00:01:27: Ich kann dir nicht sagen, wo es herkommt.

00:01:29: Aber ich würde sagen, es hat irgendwas mit einer Musikkapelle zu tun, die so einen lauten Tusch spielt und laute Musik macht und dann denken, die Leute wundern was kommt?

00:01:43: Und vielleicht ist das gar nicht viel.

00:01:47: Wunder, was kommt?

00:01:48: Das ist eine heiße Spur.

00:01:51: Also Brimborium kommt... Für das heute benutzt wird es etwas Überflüssiges und Nutzieraufwand, also Getour halt so.

00:01:58: Genau wie du gesagt hast!

00:01:59: Und es kommt aus dem Französischen tatsächlich.

00:02:02: Und zwar aus dem Wort Brimbo-Rion.

00:02:05: Das bedeutet Lapalje.

00:02:07: Ah!

00:02:07: Und das wiederum ist abgeleitet von dem französischen Wort Brimborion.

00:02:13: Und das bedeutet Zauberformel, Zaubergabeet Kleinigkeit ohne Wert.

00:02:19: Und du hast Zirkus gesagt und das ist doch Wunder

00:02:22: usw.,

00:02:23: und das wiederum kommt aus dem Römisch-Katholischen, nämlich aus dem Deutschen.

00:02:30: dann wieder, und zwar ist es abgeleitet von einem Stundengebet.

00:02:35: Ein Stundgebet ist ein Herunterbeten von Wundern, von Betsachen ... Ohne, also die keinen wirkungsvollen Aufwand.

00:02:45: Sie keine Wirkung haben.

00:02:46: Also ein wirkumsloser Aufwand betrachtet.

00:02:48: Brimborium.

00:02:49: Wirkungsloseraufwand Das ist die direkte Linie zu Kirche und das lasse ich jetzt einfach so stehen.

00:02:59: Und wenn du wissen möchtest was Fürle fandst wo das genau her kommt dann schau dir doch mal das andere einen anderen Kapitel an.

00:03:05: lieber Zuhörer zu Schauer zu Leser zu was auch immer

00:03:11: Weißt du, ob das französische Wort ... Also ist es noch gängig?

00:03:14: Von wem zerkommt.

00:03:15: Nee, weiß ich tatsächlich nicht.

00:03:16: Allerdings Brimborion-Lapalje könnte ich mir schon vorstellen und ... Ich hab jetzt grad keinen Franzosen im Zugriff aber wenn ich mal bei Gelehrerin haben werde ich meinen Unnützestwissen in der Form sagen hey Brimborgon Lapalje oder?

00:03:30: Ja.

00:03:31: Wobei der Hey und Lapalja vielleicht nicht versteht wobei doch Lapalye ist auch andere Baustelle

00:03:38: ja Ja, also in der Schul-Vokabeln.

00:03:42: bei mir war es nicht dabei.

00:03:47: Es könnte sein, dass das in meinen Schulvokablen war.

00:03:49: Ich war aber so mies in Französisch.

00:03:51: Das ist vermute...

00:03:53: Ist alles verdrängt!

00:03:54: Aber sowas von.

00:03:56: Aber so richtig ja.

00:03:59: Was hast du mir für ein Wort mitgebracht?

00:04:01: Ich habe dir ein schönes Wort mit gebracht.

00:04:04: ich weiß nur nicht ob du das kennst und ob das über stimmte regionale Grenzen hinaus bekannt

00:04:11: ist Nürnberg, oder Nürrnberg hinaus

00:04:13: vielleicht?

00:04:14: Vielleicht ja.

00:04:16: Ja,

00:04:17: das Wort heißt Koppernäckig.

00:04:20: Kopperneckig?

00:04:25: Neckig kenne ich also.

00:04:29: es hat sogar für mich zwei Bedeutungen nämlich gibt dass neckig indem man neckige rausgeht.

00:04:34: das kommt aus dem Kölchen Düsseldorfer das heißt nackt aber das das andere ist das necken also das ärgern Aber Copper.

00:04:44: Ich kenne Copper-Field, aber ich könnte mir vorstellen, dass es damit auch nicht zusammenhängt?

00:04:49: Coppernäckig ist Copper.

00:04:56: eine Beschreibung für Gegen.

00:04:58: Das Gegenseitignecke irgendwie sowas... Also Necken is ärgern sich gegenseit... Nein!

00:05:04: Nektar kommt vom Nektarr der Biene von der Blume.

00:05:09: Auch nicht.

00:05:10: Okay bevor ich noch wildere Spekulation anstelle Koppa.

00:05:16: Ist Koplas aus dem Fränkischen oder ist das nur Nürnbergerisch?

00:05:19: Oder förderig, oder sowas?

00:05:21: Das kann ich dir gar nicht so genau sagen.

00:05:22: also mir hat es eine Kollegin neulich oder eine Mitarbeiterin hat mir erst wieder gesagt das ist ja koppanäckig um diese Situation für bestimmte Vorgänge oder Situationen die schwierig zu durchsteigen, komplex.

00:05:42: Manchmal auch vielleicht ein bisschen seltsam sind oder anders als ich das auf den ersten Blick denke so ein bisschen verzweckt vertragt Das betreibt kopernäckig und von dem her Ich weiß gar nicht ob es ich habe es gefunden dann im fränkischen Wörterbuch gibt's da.

00:06:00: allerdings ist die Herkunft unklar.

00:06:03: Es gibt eine Theorie und eine Theorie ist dass es von Kopianikus abstammt der ja das damalige Weltbild so ziemlich aufgezählt hat.

00:06:15: Und dass es also alles, was ein bisschen verquer ist und anders als ich es glauben kann – vielleicht auch manchmal anders als es scheint oder schwer verständlich -, dass das dann Copernicisch ist.

00:06:28: Also wie damals Copernicus mit seinem Blödslicht ist alles anders nicht mehr.

00:06:33: die Erde ist im Mittelpunkt des Welteils

00:06:38: Hört sich zumindest nach einer durchaus denkbaren Erklärung.

00:06:41: Eine

00:06:41: Theorie, genau!

00:06:45: Soll ich die Brücke zu meinem nächsten Bord rübernehmen damit?

00:06:49: Nicht dass du den Frankenland damit einen Beherrndienst erwiesen hast.

00:06:55: Weißt du was das heißt ein Beherrdiensterweisen?

00:06:58: Ja ein Beerdienst ist etwas was gar nicht so gut ist also eher negativ aber ich glaube durchaus aus einer positiven Absicht heraus.

00:07:11: Also so ähnlich wie gut gemeint, aber schlecht gemacht oder zumindest die Folgen nicht so wirklich abgesehen.

00:07:22: Aber warum heißt das ein Bärendienst?

00:07:29: Was könnte das... Bestimmt hat es gar nichts mit irgendwelchen Beeren tatsächlich zu tun.

00:07:35: Also weder mit den mit Doppel E noch mit dem mit Ä. Wobei vielleicht doch Bären mögen auch Honig.

00:07:45: Vielleicht ist das eine gute Spur, wenn ich da in dieses Bienen nässt hinein lange um den Beeren vielleicht den Honig rauszuholen dann mache ich ja diese Bienen alle wild und dann greifen die an und vielleicht ist das ein Berendienst wo es gut meint und denke jetzt hole ich mal dem Beeren Honig und dann war's nicht weil er dann lieber gestochen wird oder aus Versehen.

00:08:12: Ja, mit dem Bär.

00:08:13: Entschuldigung bist du ganz gut auf... Also es ist tatsächlich ein Bär und im Gegensatz zu vielen anderen Redewendern, wo man's nicht so genau weiß, das ist sehr, sehr gut verbürgt nämlich es gab einen Dichter, Jean de la Fontaine.

00:08:25: Sechzehntonacht achten siebzig daher kommt vorab.

00:08:29: aber großes Kompliment Du hast das mit dem guten Absicht Das ist ein ganz wichtiger Faktor Es ist eine gute Absicht Wo dann ein Beeren-Dienst rauskommt Genau wie du schreibst Und zwar Stammt die Redewendung aus dem Gedicht der Bär und der Gartenliebhaber?

00:08:43: Ach!

00:08:44: Französischer Dichter, wie gesagt.

00:08:45: Ich sag's noch mal Jean-Dela Fontaine, sechzehnund achten siebzig.

00:08:48: und darum geht es um einen gutmütigen natürlich aber leicht ungeschickten Bär, der von dem Gesicht seines Freundes nämlich dieses Gärtner des Gartendiebhabers eine lästige Fliege verscheuchen möchte.

00:09:01: Und weil er so stark ist wirft er ein schweren Stein und er schlägt damit versehentlich diesen Gärtnern.

00:09:08: Ein echter Beerendienst, er hat es gut gemeint.

00:09:12: Und dann war das Gedicht so populär ... dass sich aus diesem Bild in diesem Gedicht das so verbreitet hat?

00:09:19: Ich hätte's nicht besser sagen können.

00:09:21: Exakt!

00:09:21: Ja und ist natürlich auch transpar- also ich find' sehr eingängig.

00:09:29: Der gutmütige Bär ungeschickt, er möchte was Tolles tun für sein Freund und erschlägt ihn ein Beerndienst.

00:09:34: Also das ist auch vom Bild her

00:09:35: noch gut

00:09:36: merkbar denke ich.

00:09:37: Ja und unterschätzt seine Kraft Schön.

00:09:44: Das nehme ich mit!

00:09:48: Ich habe ein Wort, das kannst du im Alltag verwenden.

00:09:51: Das mit den Beeren kann ich auch verwenden, es war allerdings ein bisschen schwieriger vielleicht.

00:09:55: Allerdings ist es glaube ich etwas selten geworden und das finde ich schade meist eine bestimmte Qualität für mich hat.

00:10:05: Es gibt mehrere Wörter im Wortfeld da können wir dann gerne noch kurz hinschauen denn die sind alle.

00:10:10: so gibt's so ein paar schöne Und ich habe mir rausgesucht, das Werk Das Behüten.

00:10:23: Im Behüten ist der Hüter oder die Hüternin und das ist eine schöne Verbindung wo etwas bewahrt wird, wo etwas geschützt wird.

00:10:36: Ich denke dass hüten isst das schützen.

00:10:40: Es werden ja scharfe gehütet zum Beispiel und das bedeutet da es immer ein Schutzbefolener Ein zu schützenswertes Wesen.

00:10:50: Ein Mensch, ein Ding hüten könnte man auch auf dem Ding.

00:10:54: Ich würde es gar nicht auf den Lebewesen begänzen.

00:10:56: Wobei im Kopf ist es ... Vielleicht meintest du das mit Qualität und Wort, dass etwas auf etwas Acht geben?

00:11:03: Auf etwas ... Also nicht Beteiligungslos rumsitzen und aufpassen, dass nichts passiert, sondern das Behüten ist aktiv!

00:11:11: Du hast ja auch gesagt, Verb wobei aufpassen ja vermutlich auch ein Verb ist.

00:11:16: Und trotzdem ist es etwas ... etwas Gebendes.

00:11:19: Es ist nicht etwas Neutrale, sondern mit Behüten empfinde ich etwas Aktives.

00:11:25: Ich gehe auf etwas zu und achte auf etwas.

00:11:27: Ich schätze etwas, ich behüte etwas.

00:11:30: Und es kommt tatsächlich von diesem Auf-der-Hut sein.

00:11:33: Das ist ja auch das ... und damit glaube ich nicht der Hut auf den Kopf gemeint, sondern eher die

00:11:38: Hut,

00:11:39: die Achtung, dass wir achten, dass das wahrnehmen.

00:11:43: Ich glaube, dass eine Kombination aus all dem

00:11:45: ist.".

00:11:46: Sehr gut.

00:11:47: Also mit der Hut, das war nämlich... Erst dachte ich, ich nehme die Hut, die ja so im Sprachgebrauch überhaupt nicht mehr da ist außer bei diesem Auf-der-Hut sein.

00:11:56: Daher kenne ich es auch und die Hut steht ursprünglich für Schutz und Geborgenheit.

00:12:07: Liebevolles, will du auch schon sagst.

00:12:08: Das hat auch was mit Achtung zu tun als es ist nicht nur... Ja da sind halt die Schafe, die dummen Viecher so ungefähr und ich muss halt aufpassen sondern nee ich habe auch so eine liebevolle Zuwendung steckt für mich damit drin wie eben auch in dieser Geborgenheit.

00:12:28: das finde ich diese besondere Qualität die für mich auch in den Behüten mit drinsteckt auch so ne Art Fürsorge in dem Hüten.

00:12:39: Und ein Adjektiv dazu, was ich gerne in meinen Workshops immer wieder weitergebe ist das behutsam.

00:12:46: Stimmt!

00:12:47: Ja?

00:12:48: Weil wenn ich etwas behutsamer mache, ist es auch nochmal so eine ganz besondere Qualität.

00:12:52: also anders als sei vorsichtig oder sei achtsam, was ja heutzutage so gängig ist da müssen immer alle achtsamt sein.

00:12:59: aber behutsamen ist noch mal anders.

00:13:03: Es ist feiner vom Gefühl her das behutsam ist feiner, es ist verbunden.

00:13:10: Ja irgendwie so.

00:13:17: Wenn du

00:13:19: und damit mach mal den Sack zu für heute glaube ich oder wenn du lieber Zuschauer zu Hörerin zu was auch immer eine Idee ist, was ihr mal nehmen solltet dann schreibt es nochmal in die Kommentare oder vielleicht etwas anderes oder dokumentierst hier Likes abonniert was immer man da so machen kann ach sei einfach auf der Hut für nächsten Monat.

00:13:39: Wir freuen uns in den nächsten Monaten wieder dabei, bis weil.

00:13:41: da gibt es hier eine neue Episode von Schall und Rauch.

00:13:44: In welches Feld wollen wir noch schauen?

00:13:46: Oder magst du auch einfach Tschüss sagen, Marianne?

00:13:51: Mich würde interessieren, falls du jetzt auf die Idee kommst dieses Wort behutsam zum Beispiel oder den Beandienst oder was auch immer, was wir mal wieder so in den Mittelpunkt stellen an Wörtern das mal mitzunehmen deinen Alltag und auszuprobieren dann würde mich interessieren Was macht es denn mit dir oder welche Erfahrungen machst du damit?

00:14:12: Kennen die Leute in deiner Umgebung das, wie wirkt sich das aus.

00:14:15: Das fände ich ganz spannend.

00:14:19: Kein Bremborium mehr.

00:14:20: Amen!

00:14:21: Genauso.

00:14:22: Tschüss.

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